Der H2 Atemtest- Unverträglichkeiten aufspüren- oder doch nicht?


Du verträgst bestimmt Lebensmittel nicht?

Dir ist aufgefallen, dass du vermeintlich bestimmte Lebensmittel nicht (mehr) verträgst. Morgens kannst du deinen Apfel essen, aber abends breitet er dir Bauchschmerzen?

Die Süßigkeiten im Büro lassen dich innerhalb des Tages zum Kugelfisch mutieren?

Irgendetwas stimmt doch nicht, aber was? Viele von uns kennen die Odyssey, die sich dann häufig anschließt. Man tingelt von Arzt zu Arzt, hat Darmspiegelungen, Magenspiegelungen, Gespräche, aber irgendwie lässt sich nichts so richtig greifen…. Was ist denn nun falsch mit deinem Bauch?

STOPP!

Der erste Weg führt immer zum Arzt!

Es gibt tatsächlich eine Empfehlung, wie du vorgehen solltest, wenn du das Gefühl hast bestimmte Nahrungsmittel nicht zu vertragen.

Der erste Schritt sollte tatsächlich IMMER zu deinem Hausarzt führen, um sogenannte „red flags“ auszuschließen!

Gleichzeitig kannst du und solltest du anfangen ein Ernährungstagebuch zu führen. So hast du schon einmal etwas in der Hand, um deinem Arzt einen Überblick über deine Beschwerden zu geben.

Der Arzt hat nun einige Möglichkeiten, was er mit dir macht.

1. Sehr ausführliche Anamnese (diese sollte es eigentlich immer dann geben, wenn sich etwas grundlegend geändert hat), die auch dein momentanes Stresslevel im privaten, sowie beruflichen beleuchtet.

2. Magen- Darm- Spiegelung zur Abklärung von körperlichen Ursachen für deine Probleme.

3. Der H2- Atemtest (Wasserstoff- Atemtest) um Unverträglichkeiten nachzuweisen.

Was ist der H2- Atemtest?

Der H2- Atemtest dient dem Nachweis einer: Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit), einer Frucktosemalabsorption (Fruchtzuckerunverträglichkeit), einer Sorbitmalabsorption (das Zuckeralkohol Sorbit kann im Dünndarm nicht aufgenommen werden), sowie einer SIBO (small intestine bacterial overgrowth), der Dünndarmfehlbesiedlung.

Der Test wird beim Gastroenterologen durchgeführt. Es kann immer nur eine Zuckergruppe pro Tag getestete werden und zwischen den Tests sollten sogenannte „Auswaschtage“ liegen, damit die Zucker bis zum nächsten Test vollständig abgebaut werden.

Zuckerverdauung

Der Hintergrund des Atemtests ist der, dass die verschiedenen Zucker in unserem Dünndarm entweder mit Hilfe von Enzymen abgebaut werden, oder über spezielle Transporter, über die Darmwand im Dünndarm, aufgenommen werden.

Funktionieren diese Mechanismen nicht vernünftig, weil entweder zu wenige Enzyme vorhanden sind, oder die Transporter in der Darmwand nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen, dann gelangen Zuckermoleküle in den Dickdarm, und hier können die Dickdarm- Bakterien eine Party feiern, weil es auf einmal richtig tolles Essen gibt!

Aus Dank produzieren sie viel Wasserstoff, der über die Darmwand ins Blut und dann in die Lunge gelangt. Dort wird der Wasserstoff dann zusammen mit dem CO2 abgeatmet.

Dieses „Mehr“ an Wasserstoff kann man mit Hilfe des H2- Atemtests messen.

Je schlechter also die Verdauung bestimmter Zucker funktioniert, desto mehr unverdauter Zucker gelangt in den Dickdarm und lässt den Wasserstoffgehalt in der Atemluft ansteigen.

Unverdauter Zucker zieht übrigens auch Wasser an, was dann zu Durchfällen führt.

Falsche Ergebnisse

Es gibt aber auch einen Haken:

Neuere Untersuchungen haben ergeben, dass der Atemtest fehleranfällig ist und es zu falsch positiven, oder negativen Ergebnissen kommen kann. Am besten funktioniert er anscheinend bei der Laktoseintoleranz.

Positive Ergebnisse bedeuten also nicht unbedingt, dass du Probleme mit der Zuckerverdauung hast und negative bedeuten nicht automatisch, dass du dir deine Symptome nur einbildest.

Ein weiters Problem ist, dass die Zuckerdosen, welche im Test verwendet werden häufig extrem hoch sind. Kein normaler Mensch würde mit einer Mahlzeit solch hohe Mengen an z.B. Fructose aufnehmen! Der Zuckergehalt ist so hoch, dass die Ergebnisse häufig auch bei Personen positiv sind, die normalerweise keinerlei Probleme mit dem jeweiligen Zucker haben.

Weiter führt eine SIBO zu falsch positiven Ergebnissen, da der Zucker schon im Dünndarm fermentiert wird und daher hier bereits hohe Werte entstehen. Daher sollte der Test auf eine SIBO immer als erstes durchgeführt werden, damit die folgenden Tests nicht falsch positiv ausfallen.

Was ist der beste Weg?

Der beste Weg, um herauszufinden, welche FODMAP- Gruppen, zu denen auch alle oben genannten Zucker gehören, du verträgst, ist tatsächlich mittels eines strengen Re- Challenge- Protokolls, nach einer FODMAP- Eliminationsdiät, welche von einer Diätassistentin begleitet wird.

Die Vorbereitung auf den Test

Viele Patienten wissen nicht, dass sie sich 3- 7 Tage vor dem Test streng laktose-, fruktose-, oder sorbitarm ernähren sollen, je nach dem was getestet wird! Die Monash- University weist darauf allerdings explizit hin! Nur so kann garantiert werden, dass die jeweiligen Zucker „ausgewaschen“ sind und sich nicht mehr im Verdauungstrakt befinden. Diese Art der Vorbereitung garantiert, dass der Ausgangswert niedrig ist. Und der Untersucher eine gute „Baseline“, also einen guten Basiswert erhält.

12- 14 Stunden vor dem Test sollte nichts mehr gegessen werden. Wasser zu trinken (ohne Zusätze!) ist natürlich erlaubt. Das kauen von Kaugummi, Minzbonbons lutschen, etc. ist auch verboten, ebenso das Rauchen. Manche Gastroenterologen sagen ihren Patienten auch, dass sie morgens nicht ihre Zähne putzen sollen.

Die Durchführung

Zunächst wird dein Basiswert bestimmt.

Du nimmst ein Mundstück in den Mund und pustet, in etwa wie bei einem Alkoholtest, für etwa 15 Sekunden, oder bis einem die Luft ausgeht, in das Mundstück.

Danach trinkst du die Zuckerlösung mit dem Zucker, welche an dem Tag getestet werden soll.

Du wiederholst die Prozedur des Pustens etwa alle 15 Minuten über einen Zeitraum von 3 Stunden (das kann natürlich von Praxis zu Praxis unterschiedlich sein, so war es bei mir.)

Ein positives Ergebnis

Ab einem Wert von 20 ppm (parts per million), gilt der Test als positiv. Normalerweise liegt der Wert unter 10 ppm.

Viele Ärzte raten nun dazu, dass man z.B. Fructose komplett aus dem Speiseplan streicht. Dies bedeutet allerdings häufig eine starke Einschränkung der Betroffenen und das Gefühl, dass man gar nicht mehr essen darf!

Es geht auch anders….

Was nach dem Test?

Der nächste Schritt führt dich nun zu einer Diätassistentin, welche dich im Hinblick auf deine Unverträglichkeiten berät.

Ein guter Weg ist eine Eliminationsdiät, mit anschließender Testphase, um einen Überblick zu gewinnen, wie viel von dem jeweiligen Zucker du verträgst. Denn häufig muss dieser nicht komplett gestrichen werden!

Was tun bei negativem Ergebnis?

Aber auch, wenn der Test negativ war, du aber trotzdem Problem nach dem Test hattest, wie z.B. Durchfall, Blähungen, Bauchkrämpfe, etc. solltest du diesen Weg gehen um herauszufinden, was deinem Bauch nicht bekommt.

Sprich deinen Arzt auf das Thema Reizdarm an und lass dich professionell beraten!

Du bist nicht allein!

Du bist nicht alleine mit deinem „Problem“! In Deutschland sind über 15% der Gesamtbevölkerung von einem Reizdarmsyndrom betroffen!

Eine Möglichkeit um deine Beschwerden zu lindern ist die FODMAP- Diät, welche bei 70- 80 % der Betroffenen zu einer signifikanten Verbesserung der Symptome führt!

Der Reizdarm lässt sich häufig nicht „heilen“, aber man kann einiges dafür tun, dass es einem besser damit geht.

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